Was ist Aufmerksamkeit?
Aufmerksamkeit ist eine Art innerer Filter. Aus unzähligen Eindrücken, Gedanken und Impulsen wählt sie
die wenigen aus, die du gerade bewusst wahrnimmst.
Sie ist eng verbunden mit:
- Gedanken,
- Gefühlen,
- inneren Bildern,
- Bewertungen,
- Erinnerungen und
- körperlichen Signalen.
Damit bestimmt deine Aufmerksamkeit, welche Bedeutung etwas für dich bekommt. Richtest du sie auf einen stressigen Gedanken, entsteht Druck. Richtest du sie auf einen beruhigenden Satz, so entsteht Weite.
Warum springt deine Aufmerksamkeit so leicht?
Dein Gehirn ist darauf ausgelegt, ständig zu prüfen, was wichtig sein könnte. Es fragt ununterbrochen:
- Wo könnte Gefahr lauern?
- Was braucht gerade Priorität?
- Was ist neu oder ungewohnt?
Darum entstehen auch die oft zitierten „60.000 bis 80.000 Gedanken am Tag“ – nicht, weil du bewusst so viel
denken willst, sondern weil Aufmerksamkeit ständig neue Inhalte aufgreift.
Dein Fokus ist von Natur aus beweglich. Das ist kein Fehler, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus.
Warum ist Aufmerksamkeit so wichtig?
Aufmerksamkeit beeinflusst maßgeblich, wie du dein Leben erlebst. Sie entscheidet darüber,
- welche Gedanken größer und wichtiger werden,
- welche Gefühle sich verstärken,
- worauf dein Nervensystem reagiert,
- ob du dich eher gestresst oder eher sicher fühlst,
- ob du dich überfordert oder handlungsfähig erlebst.
Aufmerksamkeit ist damit ein Hebel, der deine innere Realität formt. Lenkt du sie bewusst, verändert sich
dein Erleben. Lässt du sie automatisch laufen, steuert sie dich.
Wie funktioniert Aufmerksamkeit im FeelUp-Modell?
Aufmerksamkeit lässt sich sanft lenken – nicht durch Druck („Ich muss mich konzentrieren!“), sondern
durch kleine Impulse, die sich stimmig anfühlen.
- Bemerken – du nimmst wahr, wohin deine Aufmerksamkeit gerade springt.
- Akzeptieren – du registrierst das, ohne dich dafür zu verurteilen.
- Weiten – du erkennst, dass es mehr Möglichkeiten gibt, als nur diesen einen Fokus.
- Neu ausrichten – ein Gedanke, der sich ruhiger anfühlt, wird zum neuen Fokuspunkt.
- Vertiefen – dein Körper reagiert: die Atmung beruhigt sich, Druck lässt nach.
- Stabilisieren – die Aufmerksamkeit bleibt länger bei dem, was dir guttut.
So wird Aufmerksamkeit zu einem sanften Werkzeug für emotionale Balance – ohne Zwang, ohne Perfektion.
Beispiel aus dem Alltag
Du arbeitest an etwas Wichtigem und plötzlich schießen dir Gedanken durch den Kopf:
- „Ich habe noch so viel zu tun.“
- „Hoffentlich vergesse ich nichts.“
- „Das schaffe ich heute niemals.“
Deine Aufmerksamkeit klebt sofort an diesen Gedanken, dein Körper reagiert mit Druck, Hektik und einem
flacheren Atem ( Sympathikus gibt Gas ).
Mit einer bewussten Ausrichtung kann es anders aussehen:
- Du bemerkst den Gedankensprung.
- Du gibst dem einen Moment Raum, ohne jedem Gedanken zu folgen.
- Ein neuer Satz entsteht: „Ich mache jetzt diesen einen Schritt.“
- Die Aufmerksamkeit richtet sich neu auf die aktuelle Aufgabe aus.
- Der Druck nimmt ab, du kommst ruhiger und klarer zurück in den Moment.
Der Unterschied liegt nicht in der Situation, sondern darin, wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst.
Was Aufmerksamkeit nicht ist
Aufmerksamkeit wird häufig missverstanden. Sie ist nicht:
- ein starrer Tunnelblick,
- eine reine Leistungsfähigkeit, um konzentriert zu arbeiten,
- ständige Beobachtung von dir selbst,
- ein Versuch, alles kontrollieren zu müssen,
- nur ein Instrument, um „produktiver“ zu sein,
- eine Abwertung von Ablenkung oder Tagträumen.
Aufmerksamkeit ist ein natürlicher, lebendiger Prozess. Deine Aufmerksamkeit darf wandern. Entscheidend ist,
ob du bewusst merken kannst, wann es dir guttut, sie wieder sanft zurückzuholen.

